TV-Kritik „Maybrit Illner“: Ist die Grundrente gerecht?

In einem Nebensatz fiel die entscheidende Bemerkung: Unser Rentenniveau, so Elisabeth Niejahr, sei im europäischen Vergleich „nur im unteren Mittelfeld.“ Damit hatte die Chefreporterin der „Wirtschaftswoche“ den Ausgangspunkt für die aktuelle Rentendebatte definiert. Diese hat Bundesarbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) mit seinem Vorschlag für eine Grundrente wieder auf die politische Tagesordnung gesetzt. Gestern Abend bemühte er sich nun die wesentlichen Kritikpunkte auszuräumen. Auf diesen Hinweis von Frau Niejahr ging er aber nicht ein, obwohl dort das eigentliche Problem unserer Rentenversicherung zu finden ist.

Entgegen der gerne kolportierten Legende hat sich kaum eine andere Alterssicherung so gut auf den demographischen Wandel eingestellt, wie die altehrwürdige deutsche Rentenversicherung. Dafür gab es Gründe: Einer war die seit Mitte der 1970er Jahre dramatisch gesunkene Geburtenrate. Westdeutschland war zum europäische Schlusslicht geworden. Die Folge dieser Reformen war aber nicht nur das niedrige Rentenniveau, sondern der Verlust seiner Grundsicherungsfunktion.

Vor allem in Zukunft drohen deshalb immer mehr Rentenbezieher mit ihrer gesetzlichen Rente unter das Existenzminimum zu fallen. Nicht zuletzt deshalb erodiert das Vertrauen in das System, wie Maria Loheide von der „Caritas“ argumentierte. Eine in Zukunft gute Rente für ihre heutigen Beschäftigen wünschen sich natürlich auch Arbeitgebervertreter. Sarna Röser, Bundesvorsitzende eines Verbands junger Unternehmer, ist hier keine Ausnahme.

Grundversorgung versus Lebensstandardversicherung

Sie beharrte auf dem Äquivalenzprinzip in der Rentenversicherung, allerdings ohne den Begriff zu benutzen. Das verbirgt sich hinter der sogenannten Lebensleistung: Für höhere Beiträge in der aktiven Zeit soll es entsprechend höhere Renten im Ruhestand geben. Hier zeigten sich die unterschiedlichen Interpretationen über die Funktion der Rentenversicherung. Die sozialpolitisch argumentierende Vertreterin der Caritas betonte den Grundsicherungscharakter, die Unternehmensvertreterin präferierte den Versicherungsgedanken.

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