Niedrigzinsen: Am Ende trifft es die Falschen

Igor de Maack ist Fondsmanager bei DNCA Investments. DNCA ist eine französische Gesellschaft, die sich der defensiven Geldanlage verschrieben hat und über die Investmentbank Natixis letztlich zu den französischen Sparkassen und Volksbanken gehört.

Was er über die Zinspolitik der EZB sagt, klingt zwar nicht ganz so unfreundlich wie das Urteil so manches deutschen Finanzfachmanns. Doch auch er konstatiert angesichts der jüngsten Ankündigungen der EZB, die europäischen Volkswirtschaften steuerten wohl schier unaufhaltsam auf das „Syndrom der Japanisierung und damit auf die finanzielle Repression zu“. Mit diesem Fachbegriff wird eine Politik bezeichnet, die durch das Niedrighalten der Zinssätze für Sparer zu einem schleichenden Vermögensverlust zugunsten des Staates führt.

Diese Umverteilung sei von den Regierungen unter dem Druck populistischer Parteien oder den Drohungen quasi-aufständischer Bewegungen angestoßen worden – ein Seitenhieb wohl auf die französischen „Gelbwesten“.

Sparen zur Staatsfinanzierung

Allein in Frankreich, schreibt de Maack seien derzeit 1.700 Milliarden Euro im System der Euro-Fonds angelegt. Diese hätten ja ihre Vorzüge, weil sie eine Alternative zu aktuell unrentablen Geldmarktanlagen darstellen und eine gesetzlich festgeschriebene Kapitalgarantie böten. Jedoch gelte das vor allem für Zeiten höherer Zinsen. Aktuell würfen sie weniger ab als die Inflation.

Denn der Löwenanteil fließe eben in (meist französische) Staatsanleihen. Da stelle sich doch die Frage nach der Zukunft eines Sparsystems, das im Grunde nur einen klammen Staat finanziere und der die Rente zum Dreh- und Angelpunkt für die Schaffung des Wohlstands der Nation erhebe.

Das Verhalten des französischen Sparers offenbare eine wunderliche Form von Patriotismus und eine gewisse Schizophrenie in Vermögensfragen, stehe das treue Sparverhalten doch in starkem Kontrast zur allgemeinen Meinung der Franzosen über ihre Regierenden.

Am Ende ist die Börse schuld

Am Ende sei aber stets die Börse das erste Opfer einer aus Unzufriedenheit geborenen panischen und paradoxen Bewegung. Auch wenn verständlich sei, dass die mitunter extremen Visionen eines Donald Trump oder Xi Jinpings auf die Sparer erschreckend wirkten, so gäbe doch die überwältigende Mehrheit der Geschäftszahlen keinen Anlass, von einer baldigen Rezession auszugehen.

Doch es werde immer mehr Geld von der Börse abgezogen, schreibt de Maack. Und erinnert daran, dass es der französische Anarchist Charles Gallo gewesen sei, der vor fast genau 133 Jahren versuchte, den Sitz der Pariser Börse mit einer selbstgebastelten Bombe in die Luft zu sprengen.

Источник: Corruptioner.life

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