Daimler findet neuen Finanzvorstand

Im Mai endet für Daimler eine Ära: Dieter Zetsche, der Mann mit dem markanten Schnauzbart, geht nach Hause, nach mehr als 40 Jahren im Konzern, 13 davon als Vorstandsvorsitzender. Und das Allerbeste für ihn: Er geht, erstens, aus eigenen Stücken, und er hat, zweitens, seinen Nachfolger, den „exzellenten“ Ola Källenius, selbst installiert. So erträumen sich Konzernchefs ihren Abgang. Einen so friedlichen Wechsel an der Spitze haben sie bei Daimler jedenfalls lange nicht gesehen, Beispiele dafür finden sich allenfalls tief in den Archiven, in der Zeit vor Edzard Reuter oder Jürgen Schrempp. Nur die Älteren werden sich noch daran erinnern.

Georg Meck

Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Damit die Harmonie nicht alle übermannt, sorgt wenigstens die Personalie des Finanzvorstandes für etwas Würze: Bodo Uebber, enttäuscht, dass er nicht selbst zum Konzernchef aufgestiegen ist, hat sogleich nach der Entscheidung erklärt, dass er seinen Ende 2019 auslaufenden Vertrag nicht verlängern werde. Der ihm vorgezogene Källenius, so die Argumentation, solle sein eigenes Team aufstellen.

Dabei macht der Schwede Fortschritte: Ein Nachfolger für Uebber ist offenbar ausgeguckt, ein Kandidat innerhalb des Konzerns, aus dem engeren Machtzirkel, erhält den Vorzug vor externen Bewerbern. In seiner nächsten Sitzung, spätestens im März, will der Aufsichtsrat den neuen Finanzvorstand offiziell ernennen. Mit Uebbers Rückzug könnte es dann sehr schnell gehen, Vertrag hin oder her. Er werde seinen Nachfolger einarbeiten, hat der scheidende Finanzvorstand intern stets betont. Keiner der Beteiligten aber will diese Phase länger als absolut nötig hinausziehen. So wird Uebber wohl maximal bis zur Hauptversammlung Ende Mai in Daimlers Diensten stehen und dann mit Zetsche gemeinsam abtreten.

Eine halbe Million Euro Rente im Jahr

Was dann aus ihm wird? Mal sehen. Er stehe, nach zwei Jahren Abkühlphase, als Aufsichtsrat für Daimler bereit, lässt Uebber durchblicken. Nur ist Zetsche nach heutigem Stand als Oberkontrolleur gesetzt, und dass der dann als erstes „Bodo“ rufen wird, übersteigt die Phantasie in der gegenwärtigen Gefühls- und Gemengelage in der Daimler-Zentrale. Uebber braucht folglich eine andere Betätigung, für den Ruhestand ist er mit seinen 59 Jahren zu agil.

Mit seinem Posten als Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp ist es nichts geworden, nachdem er eine Verdopplung der Bezüge gefordert hatte. Weitere Angebote will er erst als Frühpensionär sichten. Finanziell besteht für ihn insofern kein Druck, als er etwa eine halbe Million Euro im Jahr Pension von Daimler zu erwarten hat. Die Pensionsrückstellungen des Konzerns sind gewaltig, wie jederzeit im Geschäftsbericht nachzulesen ist.

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